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Verschuldungsgrad von Unternehmen richtig berechnen

Was sagt der Verschuldungsgrad aus?
Was sagt der Verschuldungsgrad aus?

FAQ: Verschuldungsgrad

Was ist ein guter Verschuldungsgrad?

Bei Unternehmen ist ein Verschuldungsgrad von 2:1 optimal. Das heißt, das Fremdkapital darf höchstens doppelt so hoch sein wie das Eigenkapital.

Was bedeutet ein Verschuldungsgrad von über 200 %?

Ein Verschuldungsgrad von 200 % bedeutet, dass die Schulden eines Unternehmens doppelt so hoch sind wie sein Eigenkapital.

Wie lautet die Formel für den Verschuldungsgrad?

Der statische Verschuldungsgrad wird aus dem Verhältnis von Fremd- und Eigenkapital gebildet. An dieser Stelle finden Sie weitere Informationen.

Verschuldungsgrad von Unternehmen einfach erklärt

Der Verschuldungsgrad wird laut Definition aus dem Verhältnis vom Fremd- und Eigenkapital gebildet.
Der Verschuldungsgrad wird laut Definition aus dem Verhältnis vom Fremd- und Eigenkapital gebildet.

Der Verschuldungsgrad ist ein Richtwert aus der Betriebswirtschaftslehre, der Aufschluss über die Finanzstrukturen eines Unternehmens gibt. Er ergibt sich aus dem Verhältnis von Fremd- und Eigenkapital eines Unternehmens.

Er gehört zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kennzahlen. Ein optimaler Verschuldungsgrad ist ein wichtiger Anhaltspunkt für die finanzielle Stabilität einer Firma.

Dadurch steigt die Attraktivität des Unternehmens auf dem Finanzmarkt und es kann sich leichter und zu besseren Konditionen Geld leihen. Der Verschuldungsgrad ist also ein entscheidender Bestandteil der Bonität eines Betriebs.

Das Fremdkapital besteht aus langfristigen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die eigenen finanziellen Bestände des Unternehmens bilden das Eigenkapital, welches frei und zeitlich unbefristet zur Verfügung steht.

Statischer Verschuldungsgrad: Formel zur Berechnung

Um den Verschuldungsgrad von Unternehmen berechnen zu können, müssen Sie dessen Fremd- und Eigenkapital kennen. Dann teilen Sie das Fremdkapital durch das Eigenkapital. Daraus ergibt sich die nachstehende Formel:

Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Eigenkapital

Wenn ein Unternehmen zum Beispiel über 450.000 € Fremd- und 300.000 € Eigenkapital verfügt, ergibt sich daraus folgende Rechnung:

Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Eigenkapital
= 450.000 / 300.000
= 1,5

Wollen Sie den Wert als Prozentzahl erhalten, müssen Sie den Verschuldungsgrad mit 100 multiplizieren und das Prozentzeichen hinzufügen. Der Verschuldungsgrad aus dem Beispiel entspricht somit einem Verhältnis von 1,5 oder anders gesagt 150 %.

Ein Verschuldungsgrad zwischen 1 und 2 – bzw. zwischen 100 % und 200 % – bedeutet dementsprechend, dass das Fremdkapital größer ist als das Reinvermögen, jedoch noch nicht das Doppelte des Eigenkapitals übersteigt.

Dynamischer versus statischer Verschuldungsgrad

Statischer Verschuldungsgrad: Die Formel vernachlässigt zeitliche Veränderungen von Zinsen und Märkten.
Statischer Verschuldungsgrad: Die Formel vernachlässigt zeitliche Veränderungen von Zinsen und Märkten.

Die Formel Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Eigenkapital besitzt einen Nachteil.

Sie missachtet die zeitlichen Schwankungen, denen das Verhältnis von Schulden und Reinvermögen unterliegt. Deswegen wird diese Kennzahl und ihre Berechnung als statischer Verschuldungsgrad bezeichnet.

Im Gegensatz dazu steht ein sogenannter dynamischer Verschuldungsgrad, dessen Formel folgendermaßen lautet:

Dynamischer Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Cashflow

Das Fremdkapital ohne die verfügbare Liquidität ist die Effektivverschuldung. Sie berücksichtigt, welche Schulden im Zweifel kurzfristig aus vorhandenen Ressourcen (liquide Mittel) getilgt werden könnten.

Der Cashflow oder Geldfluss trifft Aussagen über die Aus- und Einzahlungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums.

Weitere Ratgeber zur Bonität:

Exkurs: Verschuldungsquote bei Staaten

Der Verschuldungsgrad in Deutschland betrug 2024 63,6 %.
Der Verschuldungsgrad in Deutschland betrug 2024 63,6 %.

Nicht nur für Unternehmen ist der Verschuldungsgrad relevant. Auch für Staaten ist er ein wichtiger Wert, insbesondere wenn es um das Aufnehmen von Schulden geht. Welche genaue Bedeutung er jedoch hat, ist unter Volkswirten umstritten und wird viel diskutiert.

Bei Ländern ist allerdings nicht vom Verschuldungsgrad, sondern von der Staatsschuldenquote die Rede.

Diese Schuldenquote gibt das Verhältnis von Staatsschulden und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) an. In Deutschland betrug sie laut Bundesfinanzministerium im Jahr 2024 63,6 %. Der Wert liegt damit unter dem der anderen großen Wirtschaftsnationen Europas Frankreich (109,5 %), Italien (140,6 %) und Großbritannien (96,5 %).

Wie hoch sollte der Verschuldungsgrad sein?

Ziel eines jeden Unternehmens ist eine stabile Finanzstruktur. Der Verschuldungsgrad spielt dabei eine Rolle, jedoch ist nicht eindeutig geklärt, welche Rolle das ist.

Der Verschuldungsgrad ermöglicht den Gläubigern, das Risiko ihrer Investition einzuschätzen.

Was ist der optimale Verschuldungsgrad?
Was ist der optimale Verschuldungsgrad?

Wenn die Quote zu hoch ist, also zu viel Fremd- und zu wenig Eigenkapital vorhanden ist, ist die Gefahr in der Regel höher, dass der Schuldner irgendwann seine Verbindlichkeiten nicht mehr erfüllen kann.

Deswegen empfiehlt sich in der Regel ein niedriger Verschuldungsgrad. Bei Banken erweckt dieser den Eindruck, dass Sie und ihr Unternehmen ein verlässlicher Vertragspartner sind.

Allerdings können Schulden auch zum Wachstum des Unternehmens beitragen. Ein Spardiktat erscheint aus diesem Grund nur selten sinnvoll.

Leverage-Effekt: Mit Kreditaufnahme mehr Gewinn machen

Neben der Höhe des statischen Verschuldungsgrads sollten Sie die Hebelwirkung der Verschuldung, den sogenannten Leverage-Effekt, beachten. Er beschreibt, dass zusätzliches Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität steigern und sich somit positiv auf die Firma auswirken kann.

Einfacher ausgedrückt: Ein Unternehmen nimmt gezielt mehr Kredite (Fremdkapital) auf, um mit dem eingesetzten Eigenkapital höhere Renditen zu erwirtschaften. Damit das geschieht, muss die Rendite höher sein als die zu zahlenden Zinsen.

Wenn der Schuldenberg größer wird, steigt das Risiko für die Kreditgeber. Dadurch wachsen die Zinskosten, wodurch wiederum unter Umständen das Eigenkapital schrumpft.

Darauf sollten Sie also beim Verschuldungsgrad achten:

  • Der Verschuldungsgrad gibt Ihren Geldgebern einen Anhaltspunkt für Ihre Verlässlichkeit.
  • Je höher der Verschuldungsgrad, desto höher ist das Risiko für Ihr Unternehmen und Ihre Kreditgeber.
  • Ein höherer Anteil von Fremdkapital kann positiv sein, wenn:
    • dadurch die Firma wächst und ihr Wert steigt
    • die Rendite höher ist als die Zinsen

Es herrschen Zweifel darüber, ob der Unternehmenswert vom Verschuldungsgrad überhaupt beeinflusst wird. Die Modigliani/Miller-These geht davon, dass kein Zusammenhang zwischen der Schuldenquote und den Kapitalkosten existiert. Demnach gäbe es keinen optimalen Verschuldungsgrad.

Die Theorie ist allerdings sehr umstritten. Ihr wird u. a. vorgeworfen, unrealistisch zu sein und die Mechanismen unserer heutigen Kapitalmärkte inkl. der schwankenden Zinsen außer Acht zu lassen.

Über den Autor

Sascha Münch (Rechtsanwalt)
Sascha Münch

Nach dem Studium an der Universität Bremen absolvierte Sascha Münch sein Referendariat am OLG Celle. 2013 erhielt er die Zulassung zum Rechtsanwalt und 2019 wurde er zum Notar bestellt (seit 2021 Notar a. D.). Auf schuldenanalyse-kostenlos.de befasst er sich u. a. mit den Bereichen Pfändung und Privatnsolvenz.

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