
FAQ: Aus Angst und Sorge Schulden ignorieren
Sie müssen nicht alles sofort lösen. Beginnen Sie mit einem kleinen Schritt, der für Sie machbar ist. Öffnen Sie zum Beispiel einen Brief oder wenden Sie sich an eine Schuldnerberatung. Hier erfahren Sie mehr.
Schulden lösen oft Scham, Angst und Überforderung aus. So lassen sich unangenehme Gedanken vorübergehend vermeiden. Wenn Sie jedoch einen ersten Schritt wagen, gibt es Ihnen das Gefühl, etwas zu bewirken. Das stärkt Ihren Mut und eröffnet mehr Handlungsspielraum.
Ja. Anhaltende Geldsorgen führen zu chronischem Stress und erhöhen das Risiko für eine Depression. An dieser Stelle finden Sie wichtige Telefonnummern, wenn Sie Hilfe benötigen.
Inhalt:
Stress durch Schulden? Sie sind nicht allein!

Lassen Sie Briefe und Mahnungen ungeöffnet? Machen Ihnen Ihre Schulden Angst? Oder wissen Sie einfach nicht, wo Sie anfangen sollen? Damit sind Sie nicht allein.
Finanzielle Schwierigkeiten sind kein persönliches Versagen. Viele Menschen verschulden sich wegen Arbeitslosigkeit, einer langwierigen Krankheit, steigenden Lebenshaltungskosten oder aufgrund anderer Krisen.
Scham kann dazu führen, dass man Briefe nicht öffnet, Gespräche vermeidet und keine Hilfe in Anspruch nimmt.
Schulden zu verdrängen, mag sich im ersten Augenblick erleichternd anfühlen. Der Gedanke „darum kümmere ich mich später“ nimmt vorübergehend den Druck. Allerdings hält diese Entlastung meistens nicht lange. Denn ungeöffnete Mahnungen und Briefe können die Situation schwieriger machen, sodass der nächste Schritt schwerer fällt.
Der perfekte – spätere – Moment kommt wahrscheinlich nicht. Es reicht, wenn Sie heute eine kleinen Schritt machen. Je früher Sie sich Hilfe holen, desto mehr Handlungsmöglichkeiten stehen Ihnen offen. Es geht darum, dass Sie wieder ins Handeln kommen, mit kleinen – für Sie machbaren – Schritten.
Sie wissen nicht, wo Sie anfangen sollen? Wir zeigen Ihnen, wie Sie Schritt für Schritt wieder mehr Überblick gewinnen – ohne Druck und ohne Vorwürfe. Sie entscheiden selbst, welcher Schritt für Sie als Nächstes passt.
Handlungsmöglichkeiten für Ihren ersten Schritt zum Schuldenabbau
Ihnen müssen die Schulden nicht peinlich sein. Und Sie müssen Ihre finanziellen Probleme auch nicht auf einen Schlag lösen. Ihr erster Schritt kann ganz klein sein. Wählen Sie die Option, die für Sie gerade machbar ist:
- Nehmen Sie sich 10 Minuten Zeit. Öffnen Sie einen Brief, notieren Sie einen Gläubiger oder schauen Sie auf Ihren Kontostand. Danach dürfen Sie wieder aufhören.
- Legen Sie alle Rechnungen und Vertragsunterlagen an einem Ort ab. Sie müssen noch nichts ordnen oder entscheiden und auch nichts sofort erledigen.
- Weihen Sie jemanden ein, mit dem Sie über Ihre Schulden sprechen können und der Ihnen dabei helfen kann, einen Überblick zu bekommen.
- Holen Sie sich professionelle Unterstützung. Kontaktieren Sie die Schuldnerberatungsstelle anonym und sagen Sie einfach nur: „Ich bin verschuldet und weiß nicht, wo ich anfangen soll.“
- Vereinbaren Sie einen konkreten Beratungstermin. Anstatt Ihre Schulden zu verdrängen, gehen Sie Ihren ersten Schritt – mit einem Termin bei einer Schuldenhilfe oder einem Anwalt für Schulden.
- Achten Sie auf Ihre psychische Belastung. Schulden können Stress, Angst, Schlafprobleme, Niedergeschlagenheit und das Gefühl völliger Überforderung auslösen. Holen Sie sich Unterstützung, wenn Sie merken, dass Sie psychische Probleme wegen Ihrer Schulden bekommen. Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson, Ihrem Hausarzt oder einer psychologischen Beratungsstelle. Sie müssen die finanzielle und persönliche Belastung nicht allein bewältigen.
Auch wenn Sie sich gerade schlecht fühlen, können Sie den ersten Schritt machen. Sie dürfen ihn mit Scham, Angst oder Unsicherheit gehen. Denn der Mut kommt oft erst, wenn – und gerade, weil Sie anfangen. Und dann fällt Ihnen auch der zweite und dritte Schritt leichter.
Bei Angst vor den Schulden: Den ersten Schritt zu zweit gehen

Wenn Sie merken, dass Sie Ihre Schulden verdrängen und es Ihnen schwer fällt, einen Brief zu öffnen oder einen Beratungstermin zu vereinbaren, dann wenden Sie sich eine Vertrauensperson.
Bitten Sie sie, beim Sortieren der Unterlagen dabeizubleiben, gemeinsam bei der Schuldnerberatung anzurufen oder Sie zu einem Beratungstermin zu begleiten. Gemeinsam fällt es Ihnen leichter, aktiv zu werden und ins Handeln zu kommen.
Wenn nichts mehr geht: Depressionen wegen Schulden
Manchmal sind die mit den Schulden einhergehenden Sorgen so groß, dass selbst kleine Schritte nicht mehr möglich sind. Selbst einen Brief zu öffnen, kann schon völlig überfordern. Vielleicht schlafen Sie schlecht, ziehen sich zurück, fühlen sich dauerhaft niedergeschlagen oder haben das Gefühl, keinen Ausweg mehr zu sehen. Auch diese Situation müssen Sie nicht allein bewältigen.
Wenn Sie merken, dass Sie psychisch zu stark belastet sind, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, einer psychologischen Beratungsstelle oder einem Krisendienst. Sie müssen nicht alles erklären können. Ein bis zwei Sätze reichen, z. B.:
„Ich habe Schulden und bin damit gerade völlig überfordert. Ich brauche Hilfe.“
Und wenn Sie gerade so verzweifelt sind, dass Sie daran denken, sich etwas anzutun, holen Sie sich bitte sofort Hilfe. Wenden Sie sich an einen Krisendienst, den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder im akuten Notfall an den Rettungsdienst.
Wichtige Hilfsangebote:
- Bei Geldsorgen:
Schuldnerberatung oder Anwalt (u. U. Beratungshilfeschein möglich) - Bei psychischer Belastung:
Hausarzt oder 116 117 (ärztlicher Notdienst) - Für Menschen in Lebenskrisen (kostenlos, anonym, 24/7):
TelefonSeelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123) - Bei akuter Lebensgefahr: 112
Schulden durch Depressionen
Depressionen machen es schwer, den Alltag – und finanzielle Angelegenheiten – zu bewältigen. Rechnungen werden nicht geöffnet, Überweisungen vergessen, Verträge nicht gekündigt oder Briefe immer wieder aufgeschoben. Daraus können zusätzliche Kosten und Schulden entstehen.
Wenn Sie aufgrund einer Depression Ihre Schulden verdrängen, brauchen Sie möglicherweise auf zwei Ebenen Unterstützung: bei den Schulden und für Ihre psychische Gesundheit:
- Eine Schuldnerberatung hilft Ihnen, die finanzielle Situation zu ordnen und Schritt für Schritt einen Überblick zu bekommen. Anschließend erarbeitet Sie mit Ihnen einen Lösungsweg.
- Gleichzeitig können Sie sich Unterstützung bei Ihrem Hausarzt, einer psychologischen Beratungsstelle oder einem Psychotherapeuten holen.
Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie zuerst etwas gegen Ihre psychische Belastung unternehmen oder gegen Ihre Schulden. Der erste Schritt muss für Sie passen.