RATGEBER

Kontopfändung: Ist das ohne Ankündigung möglich?

Eine Kontopfändung ohne Benachrichtigung ist nicht rechtens.
Eine Kontopfändung ohne Benachrichtigung ist nicht rechtens.

FAQ: Kontopfändung ohne Ankündigung

Wird eine Kontopfändung vorher angekündigt?

Dass Ihr Konto gepfändet wird ohne Ankündigung, ist kaum möglich. Sie erhalten Mahnungen, den vollstreckbaren Titel des Gläubigers und den Pfändungs- und Überweisungsbeschluss. Erst danach beginnt die Kontopfändung.

Wann ist eine Kontopfändung nicht rechtens?

Eine Kontopfändung ist nicht rechtens, wenn die Forderung nicht (mehr) oder nicht in dieser Höhe besteht. Gegen einen Vollstreckungsbescheid über eine unberechtigte Forderung müssen Sie innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen.

Kann das Finanzamt ein Konto sperren ohne Ankündigung?

Das Finanzamt darf eine Kontopfändung auf Grundlage des Steuerbescheids vollstrecken. Eine Kontopfändung vom Finanzamt erfolgt nicht ohne Ankündigung. Sie erhalten vorher eine Vollstreckungsankündigung.

Kann es zu einer Kontopfändung ohne Vorwarnung kommen?

Konto gepfändet ohne Ankündigung? Sie werden zuvor über das Vorgehen des Gläubigers informiert.
Konto gepfändet ohne Ankündigung? Sie werden zuvor über das Vorgehen des Gläubigers informiert.

Bei einer Kontopfändung wird das Konto für den Inhaber gesperrt. Er kann nicht mehr auf das Guthaben zugreifen – Überweisungen und das Geldabheben am Automaten sind damit nicht mehr möglich.

Doch kann es tatsächlich passieren, dass Sie eines Tages am Geldautomaten stehen und völlig unerwartet kein Geld bekommen? Ist eine Kontopfändung ohne Ankündigung möglich? Nein, Gläubiger müssen nämlich zunächst ein gerichtliches Verfahren anstoßen, bevor sie überhaupt eine Kontopfändung durchführen können.

Gläubiger können dabei unter anderem ein gerichtliches Mahnverfahren durchführen oder beispielswiese Klage gegen den Schuldner einlegen. Über jeden absolvierten Schritt muss der Schuldner informiert werden. Damit ist es im Regelfall nicht möglich, dass es zu einer Kontopfändung kommt, ohne dass es eine Benachrichtigung darüber gab.

Beachten Sie: Hat ein Gläubiger einen vollstreckbaren Titel erwirkt, verjähren die Ansprüche erst nach 30 Jahren. Innerhalb dieses Zeitraums kann der Gläubiger jederzeit eine Zwangsvollstreckungsmaßnahme durchführen lassen – auch noch nach Jahren, wenn der Schuldner den Fall eigentlich schon vergessen hat. Dann mag es dem Schuldner so vorkommen, als wenn es sich dabei um eine Kontopfändung ohne Ankündigung handelt. Tatsächlich ist die Pfändung aber rechtens.

Das passiert vor der Kontopfändung: Der Ablauf einfach erklärt

Alte titulierte Schulden? Es kann Ihnen vorkommen, als wenn die Kontopfändung ohne Vorwarnung kommt.
Alte titulierte Schulden? Es kann Ihnen vorkommen, als wenn die Kontopfändung ohne Vorwarnung kommt.

Im Folgenden erklären wir genauer, warum eine Kontopfändung ohne vorherige Ankündigung in der Regel nicht vorkommt, wenn es sich um eine berechtigte Forderung handelt. Bezahlen Sie eine offene Rechnung nicht, erhalten Sie häufig zunächst eine Zahlungserinnerung. Es schließen sich eine oder mehrere Mahnungen an.

Spätestens mit Erhalt der ersten Mahnung werden Sie in Zahlungsverzug gesetzt. Zahlen Sie weiterhin nicht, kann der Gläubiger gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen, um Sie zur Zahlung der offenen Forderung zu bewegen. Häufig wird dafür ein gerichtliches Mahnverfahren durchgeführt.

Im Rahmen dieses Verfahrens erhalten Sie einen gerichtlichen Mahnbescheid, der Sie erneut zur Zahlung auffordert. Legen Sie keinen Widerspruch ein, kann der Gläubiger dann einen Vollstreckungsbescheid beantragen. Dieser wird Ihnen förmlich zugestellt. Auch hier zeigt sich wieder, dass eine Kontopfändung nicht ohne Ankündigung auf Sie zukommt.

Der Bescheid stellt einen vollstreckbaren Titel dar, mit dem der Gläubiger dann eine Zwangsvollstreckungsmaßnahme durchführen lassen kann. Damit die Kontopfändung stattfinden kann, muss der Gläubiger dann noch einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss beantragen. Dieser wird sowohl der Bank des Schuldners als auch dem Schuldner selbst zugestellt. Letzterer wird damit über die kurz bevorstehende Pfändung informiert.

Erhalten Sie eine Ankündigung über die Kontopfändung, sollten Sie schnellstmöglich ein Pfändungsschutzkonto einrichten lassen.

Sonderfall: Pfändung durch das Finanzamt

Kontopfändung durchs Finanzamt: Ohne Ankündigung müssen Sie auch hier nicht mit der Zwangsvollstreckung rechnen.
Kontopfändung durchs Finanzamt: Ohne Ankündigung müssen Sie auch hier nicht mit der Zwangsvollstreckung rechnen.

Haben Sie Schulden beim Finanzamt, gestaltet sich der Ablauf bis zur Zwangsvollstreckung ein wenig anders. Doch auch das Finanzamt pfändet Ihr Konto nicht ohne Ankündigung.

Die Finanzbehörde kann direkt aus einem Steuerbescheid vollstrecken. Sie muss nicht erst, wie andere Gläubiger, einen vollstreckbaren Titel bei einem Gericht erwirken. Im Steuerbescheid werden Sie in der Regel auch bereits darüber informiert, dass ein Ausbleiben der Zahlung zu einer Zwangsvollstreckung führt.

Außerdem erhalten Schuldner zunächst noch eine Vollstreckungsankündigung, die sie auf die nahende Maßnahme hinweist. Auch hier müssen Sie also nicht mit einer Kontopfändung ohne Ankündigung rechnen.

Über den Autor

Mathias Voigt (Rechtsanwalt)
Mathias Voigt

2013 erhielt Rechtsanwalt Mathias Voigt seine Zulassung. Er absolvierte zuvor ein Jura-Studium in Rostock sowie ein Referendariat in Nordrhein-Westfalen. Mit seiner jahrelangen Erfahrung informiert er für schuldenanalyse-kostenlos.de Verbraucher über Insolvenzverfahren und Co.

Bildnachweise