RATGEBER

Ist bei einer Privatinsolvenz das eigene Auto in Gefahr?

Wird bei einer Privatinsolvenz das Auto gepfändet? Die Antwort liefert der nachfolgende Ratgeber.
Wird bei einer Privatinsolvenz das Auto gepfändet? Die Antwort liefert der nachfolgende Ratgeber.

FAQ: Auto bei der Privatinsolvenz

Kann man bei einer Privatinsolvenz sein Auto behalten?

Die Privatinsolvenz als Ausweg aus der Schuldenfalle
Grundsätzlich gehören Fahrzeuge zur Insolvenzmasse und können eingesetzt werden, um die Gläubiger zu befriedigen. Allerdings gibt es Ausnahmen, durch die Schuldner ihr Auto trotz Privatinsolvenz behalten können. Mehr dazu hier.

Was müssen Schuldner beachten, wenn sie vor oder während der Privatinsolvenz ihr Auto verkaufen?

Wollen Sie wegen einer drohenden Privatinsolvenz Ihr Auto vorher verkaufen, muss dies zum marktgerechten Preis erfolgen. Anderenfalls kann der Insolvenzverwalter den Verkauf anfechten. Während der Insolvenz wird das Auto ggf. vom Insolvenzverwalter verwertet.

Wie viel Wert darf mein Auto in der Privatinsolvenz haben, um nicht verwertet zu werden?

Das Gesetz sieht in diesem Fall keine starren Vorgaben vor. In der Regel ist bei einem Wert von bis zu 2.000 Euro eine Pfändung unwahrscheinlich.

Darf man bei einer Privatinsolvenz ein Auto haben?

Muss ein Schuldner bei einer Insolvenz um sein Auto fürchten?
Muss ein Schuldner bei einer Insolvenz um sein Auto fürchten?

Bei einer Privatinsolvenz fallen alle Vermögenswerte in die Insolvenzmasse und müssen verwertet werden, um Geld für die Gläubiger aufzubringen. Dabei sind grundsätzlich auch Fahrzeuge eingeschlossen, sodass ein Insolvenzverwalter auch diese üblicherweise verkaufen oder versteigern muss.

Allerdings kann unter bestimmten Umständen ein Pfändungsschutz für das Kfz bestehen. Eine Ausnahme gilt gemäß § 811 Abs. 1 Zivilprozessordnung (ZPO) bei der Privatinsolvenz, wenn das Auto für die Arbeit benötigt wird. Dies kann etwa bei einer Tätigkeit im Außendienst oder bei einer fehlenden Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr der Fall sein.

Ein weiterer Grund, warum im Zuge der Privatinsolvenz ein Auto nicht veräußert wird, können gesundheitliche Einschränkungen sein. Also wenn das Fahrzeug aufgrund einer Behinderung oder Gebrechlichkeit für den Alltag und insbesondere Arztbesuche erforderlich ist.

Außerdem kann von einer Pfändung des Fahrzeugs abgesehen werden, wenn dieses einen so geringen Wert hat, dass die Verwertung wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Eine feste Wertgrenze definiert der Gesetzgeber für diese Ausnahmeregelung nicht, allerdings ist in der Regel von bis zu 2.000 Euro auszugehen. Wird ein deutlich wertvolleres Fahrzeug für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder aus gesundheitlichen Gründen benötigt, kommt unter Umständen auch eine Austauschpfändung gemäß § 811a ZPO in Betracht. 

Wichtig! In der Regel ist es nicht möglich, bei einer Privatinsolvenz ein finanziertes Auto zu behalten. Denn üblicherweise kündigt die Bank die bestehende Finanzierung, wenn diese von der Insolvenz erfährt. Der Schuldner muss das Fahrzeug somit abgeben oder verkaufen.

Gibt es Möglichkeiten, um bei der Privatinsolvenz ein Auto zu retten?

Wie lange vor der Privatinsolvenz ist ein Auto günstig zu verkaufen?
Wie lange vor der Privatinsolvenz ist ein Auto günstig zu verkaufen?

Den Deutschen wird eine ganz besondere Beziehung zu ihrem Kfz nachgesagt. Daher versucht so manch ein Schuldner bei einer anstehenden Privatinsolvenz sein Auto auf unterschiedlichen Weisen zu retten. Doch sind diese wirklich sinnvoll und legal?

Wollen Sie vor der Privatinsolvenz ihr Auto verschenken – etwa an einen Verwandten oder Freunde – kann der Insolvenzverwalter diese Handlung ggf. rückgängig machen. Denn gemäß § 134 Insolvenzordnung (InsO) lassen sich unentgeltliche Leistungen des Schuldners bis zu vier Jahre rückwirkend anfechten.

Bei einer vorsätzlichen Benachteiligung ist eine Anfechtung der Rechtshandlung sogar bis zu zehn Jahre rückwirkend möglich. Diese liegt vor, wenn vor einer Privatinsolvenz ein Auto an Kinder, Ehepartner oder Lebensgefährten mit einer absichtlichen Benachteiligung der Gläubiger verkauft bzw. übertragen wird und somit kein marktgerechter Preis für das Kfz gezahlt wird.

Beachten Sie außerdem, dass eine vor der Eröffnung des Insolvenzverfahren erfolgte Verschwendung von Vermögen gemäß § 290 InsO auch zu einer Versagung der Restschuldbefreiung führen kann. Schuldner sollten sich daher im Vorfeld gründlich überlegen, ob sie den Erfolg der Privatinsolvenz für ein Auto riskieren wollen. 

Achtung! Haben Sie während der Privatinsolvenz ein Auto geschenkt bekommen, müssen Sie dies umgehend dem Insolvenzverwalter melden. Denn das Kfz zählt dann zur Insolvenzmasse und kann abhängig vom Wert zum Begleichen der Schulden verwertet werden.

Über den Autor

Mathias Voigt (Rechtsanwalt)
Mathias Voigt

2013 erhielt Rechtsanwalt Mathias Voigt seine Zulassung. Er absolvierte zuvor ein Jura-Studium in Rostock sowie ein Referendariat in Nordrhein-Westfalen. Mit seiner jahrelangen Erfahrung informiert er für schuldenanalyse-kostenlos.de Verbraucher über Insolvenzverfahren und Co.

Bildnachweise