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Factoring: Wie der Verkauf von Forderungen funktioniert

Für viele Unternehmen hat das Factoring eine große Bedeutung - auch für den Mittelstand.
Für viele Unternehmen hat das Factoring eine große Bedeutung – auch für den Mittelstand.

FAQ: Factoring

Wie läuft das Factoring ab?

Beim Factoring verkauft ein Unternehmen eine Forderung an einen speziellen Dienstleister und erhält im Gegenzug eine festgelegte Summe. Der Schuldner muss nun an das Factoringunternehmen zahlen. Genauere Informationen haben wir an dieser Stelle für Sie zusammengefasst.

Was ist ein Factoring-Anbieter?

Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, welches sich auf den Ankauf von Forderungen spezialisiert hat.

Wann lohnt sich Factoring?

Wann sich Factoring lohnt, muss jedes Unternehmen für sich selbst prüfen. Zwar stellt es eine Arbeitserleichterung dar und das Risiko eines Zahlungsausfalls geht auf das Factoringunternehmen über, demgegenüber erhält der ursprüngliche Gläubiger jedoch auch nicht die komplette Forderungssumme. Mehr über die Vor- und Nachteile erfahren Sie hier.

Was ist Factoring? Eine einfache Erklärung!

Factoring bieten zum Beispiel darauf spezialisierte Dienstleister an.
Factoring bieten zum Beispiel darauf spezialisierte Dienstleister an.

Hat ein Unternehmen eine Ware ausgeliefert oder eine Dienstleistung erbracht, erhält der Kunde eine Rechnung, die er innerhalb einer bestimmten Frist begleichen muss. Das Zahlungsziel beträgt häufig 14 Tage, kann jedoch auch länger sein. In dieser Zeit wartet das Unternehmen, das nun als Gläubiger bezeichnet wird, also auf das ihm zustehende Geld, wenn der Kunde die Zahlung erst am Ende der Frist tätigt.

Es gibt jedoch eine Möglichkeit, wie der Gläubiger schneller an sein Geld kommt. Hier kommt das Factoring ins Spiel. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Forderungsverkauf. Der Gläubiger verkauft dabei die betreffende Forderung vor Eintritt der Fälligkeit an ein Factoringunternehmen. Dieses wird auch Factor oder Factoringgeber genannt. Im Gegenzug erhält der ursprüngliche Gläubiger beim Factoring eine im Vertrag festgelegte Summe vom Factor.

Der Gläubiger gibt beim Factoring in der Regel seine Ansprüche komplett an den Factor ab. Der Schuldner, auch Debitor genannt, muss also nun an das Factoringunternehmen zahlen.

Damit der Forderungsverkauf zustande kommt, schließen der ursprüngliche Gläubiger und das Factoringunternehmen einen Factoringvertrag. In diesem werden die Einzelheiten des Geschäfts genau festgelegt. Grundsätzlich gilt in diesem Zusammenhang, dass eine Forderung nur dann verkauft werden darf, wenn sie abtretbar ist und wenn die betreffende Leistung bereits komplett erbracht wurde.

Welche Vor- und Nachteile hat es für Unternehmen, eine Forderung zu verkaufen?

Das Factoring hat viele Vorteile. Unter anderem erhält der Forderungsverkäufer sofort Geld.
Das Factoring hat viele Vorteile. Unter anderem erhält der Forderungsverkäufer sofort Geld.

Das Factoring bietet viele Vorteile für Unternehmen. Zunächst sorgt es für eine bessere Liquidität, da der Gläubiger sofort vom Factoringunternehmen Geld erhält. Er muss nicht warten, bis der Schuldner tatsächlich zahlt.

Des Weiteren profitiert der Gläubiger im Regelfall davon, dass er das Risiko eines Zahlungsausfalls nicht mehr tragen muss. Es geht durch den Forderungskauf auf den Factor über. Der Gläubiger erhält also in jedem Fall Geld – auch dann, wenn der Debitor zahlungsunfähig sein sollte.

Zusätzlich wird der ursprüngliche Gläubiger entlastet, wenn er das Forderungsmanagement – also die Verwaltung offener Rechnungen sowie die Kommunikation mit den Schuldnern – an den Factor abgibt.

Demgegenüber hat das Factoring jedoch auch Nachteile. Zunächst ist zu beachten, dass Factoring-Anbieter nicht jede Forderung kaufen, sondern sich häufig nur auf solche konzentrieren, die auch einen finanziellen Vorteil bieten.

Außerdem kann sich der Forderungsverkauf auch negativ auf die Beziehung zu den Kunden – gerade im Geschäftsbereich – auswirken. Geschäftspartner könnten beispielsweise davon ausgehen, dass der Gläubiger an ihrem Zahlungswillen bzw.  ihrer -fähigkeit zweifelt.

Ein weiterer großer Nachteil: Das Factoring verursacht Kosten. Der Factoringnehmer, also der ursprüngliche Gläubiger, erhält nicht die komplette Forderungssumme. Vielmehr zahlt das Factoringunternehmen nur einen Teil aus und behält einen gewissen Prozentsatz der Forderungssumme als Bezahlung ein.

Welche Arten des Forderungsverkaufs gibt es?

Factoring: Auch eine Bank kann dieses anbieten.
Factoring: Auch eine Bank kann dieses anbieten.

Es können unterschiedliche Arten des Factorings unterschieden werden. Dazu zählen unter anderem das offene und das stille Factoring. Bei Ersterem wird der Debitor über den Verkauf der Forderung informiert. Er erhält Informationen über die neue Bankverbindung, an die er nun überweisen muss.

Beim stillen Factoring hingegen erfährt der Schuldner nicht vom Verkauf. In der Regel erfolgt hierbei die Zahlung auf ein Sonderkonto, welches vom ursprünglichen Gläubiger eingerichtet wurde, dieses allerdings an den Factor abgetreten wurde.

Des Weiteren kann unter anderem das echte vom unechten Factoring unterschieden werden. Echtes Factoring zeichnet sich dadurch aus, dass das Ausfallrisiko komplett an den Factor übergeht. Zahlt der Debitor nicht, muss sich nun das Factoringunternehmen damit beschäftigen, die offene Summe einzutreiben.

Beim unechten Factoring hingegen übernimmt der Factor das Risiko eines Zahlungsausfalls nicht. Zahlt der Debitor nicht, muss der Gläubiger das Geld, dass er beim Verkauf vom Factoringunternehmen erhalten hat, aus eigener Tasche an Letzteres zurückzahlen. Diese Form des Factorings ist deshalb eher als Kreditgeschäft zu kategorisieren.

Was ist der Unterschied zwischen Factoring und Inkasso?

Beim Factoring wird ein Vertrag zwischen Factoringnehmer und -geber aufgesetzt.
Beim Factoring wird ein Vertrag zwischen Factoringnehmer und -geber aufgesetzt.

Beim Factoring verkaufen Unternehmen Forderungen, die gerade erst entstanden sind. Die Zahlungsfrist ist hierbei noch nicht abgelaufen. Der Kunde hat also noch Zeit, seine Rechnung zu begleichen. Nach dem Forderungsankauf gehört die Forderung dann dem Factoringunternehmen und nicht mehr dem ursprünglichen Gläubiger.

Beim Inkasso ist hingegen bereits die Fälligkeit der Forderung eingetreten. Der Kunde hat also noch nicht gezahlt, obwohl er es bereits hätte tun müssen. Außerdem kauft das Inkassounternehmen die Forderung nicht, sondern handelt im Auftrag des Gläubigers und vermittelt zwischen ihm und dem Schuldner. Eigentümer der Forderung bleibt weiterhin der Gläubiger.

Inkassounternehmen versuchen in der Regel zunächst, den Schuldner auf außergerichtlichem Wege zur Zahlung der fälligen Forderung zu bewegen. Bleibt dies erfolglos, können sie ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten.

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