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Insolvenzbetrug: Wann liegt dieser vor?

Wie wird Insolvenzbetrug bestraft und wo melden Sie diesen? Die Antworten liefert dieser Ratgeber.
Wie wird Insolvenzbetrug bestraft und wo melden Sie diesen? Die Antworten liefert dieser Ratgeber.

FAQ: Insolvenzbetrug

Wann liegt ein Insolvenzbetrug vor?

Insolvenz leicht erklärt: Bedeutung, Ursachen und Folgen
Juristisch gibt es zum Insolvenzbetrug keine eindeutige Definition, denn dabei handelt es sich um einen umgangssprachlichen Oberbegriff, der verschiedene Insolvenzstraftaten umfasst. 

Welche Strafe droht bei Insolvenzbetrug?

Abhängig vom konkreten Tatbestand und der Schwere der Verstöße kann für Insolvenzbetrug eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren drohen. Eine Übersicht zu den einzelnen Tatbeständen finden Sie hier.

Wo kann ich einen Insolvenzbetrug melden?

In strafrechtlichen Fällen können Sie bei der Polizei einen Insolvenzbetrug anzeigen. Bei insolvenzrechtlichen Verstößen liegt die Zuständigkeit üblicherweise beim Insolvenzverwalter oder dem Insolvenzgericht.

Was ist Insolvenzbetrug?

Wann kann bei einer Insolvenz ein Betrug vorliegen?
Wann kann bei einer Insolvenz ein Betrug vorliegen?

Bei einer Insolvenz ist ein Betrug auf verschiedene Weisen möglich. In der Regel geht es aber einheitlich darum, den Gläubigern den Zugriff auf bestimmte Vermögenswerte zu verwehren. Möglich ist dies etwa indem die Gegenstände versteckt oder zerstört werden, damit diese nicht in die Insolvenzmasse fallen.

Dabei ist es nicht zwingend erforderlich, dass ein Insolvenzbetrug während der Privatinsolvenz erfolgt. Stattdessen reicht es bereits aus, wenn eine finanzielle Krise vorliegt und eine Zahlungsunfähigkeit droht.

Liegt ein strafrechtlicher Insolvenzbetrug vor, können Sie diesen bei der Polizei zur Anzeige bringen. Dabei ist es sinnvoll, entsprechende Beweise vorzulegen, die den eigenen Verdacht untermauern. Über Onlinewachen besteht zudem in vielen Bundesländern die Möglichkeit, einen Insolvenzbetrug anonym zu melden. Größere Unternehmen müssen zudem seit Inkrafttreten des Hinweisgeberschutzgesetzes (HinSchG) Meldestellen einrichten, bei denen die Anonymität des Informanten strikt gewahrt werden muss.

Ist Insolvenzbetrug strafbar?

Insolvenzbetrug: Welche Strafe droht, hängt vom verübten Tatbestand ab.
Insolvenzbetrug: Welche Strafe droht, hängt vom verübten Tatbestand ab.

Verschiedene Straftaten lassen sich als Insolvenzbetrug bezeichnen. Dazu zählt unter anderem der (Eingehungs-)Betrug gemäß § 263 Strafgesetzbuch (StGB). Dieser liegt vor, wenn Waren oder Kredite bestellt werden, obwohl bereits klar ist, dass diese niemals bezahlt werden können.

Auch der unter § 238 StGB geregelte Bankrott zählt zum Insolvenzbetrug. Damit wird ein aktives Fehlverhalten in einer wirtschaftlichen Krise bezeichnet. Dabei kann es sich zum Beispiel um das Beiseiteschaffen von Vermögenswerten handeln.

Bei einer Gläubigerbegünstigung nach § 283c StGB befriedigt der Schuldner trotz Kenntnis seiner Zahlungsunfähigkeit einen einzelnen Gläubiger bevorzugt, obwohl dieser zum entsprechenden Zeitpunkt keinen Anspruch auf die entsprechende Leistung hatte.

Werden durch eine Dritte Person und im Einverständnis des Schuldners Vermögenswerte beiseite geschafft oder verborgen, um Gläubiger im Falle einer Insolvenz zu benachteiligen, liegt gemäß § 283d StGB eine Schuldnerbegünstigung vor.

Der Insolvenzbetrug bei einer GmbH kann zum Beispiel in Form einer Insolvenzverschleppung gemäß § 15a Insolvenzordnung (InsO) erfolgen. Dabei stellt die Geschäftsführung einer juristischen Person trotz vorliegender Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung nicht rechtzeitig oder gar nicht den erforderlichen Insolvenzantrag bei Gericht.

Welche Sanktionen für Insolvenzbetrug gemäß StGB und InsO drohen, können Sie der nachfolgenden Tabelle entnehmen:

TatbestandMögliche Strafe
Betrug (§ 263 StGB)Geld­strafe oder Freiheits­strafe bis zu 10 Jahre
Bankrott (§ 283 StGB)Geld­strafe oder Freiheits­strafe bis zu 10 Jahre
Gläubiger­begüns­tigung (§ 283c StGB)Geld­strafe oder Freiheits­strafe bis zu 2 Jahre
Schuldner­begüns­tigung (§ 283d StGB)Geld­strafe oder Freiheits­strafe bis zu 10 Jahre
Insolvenz­ver­schlep­pung (§ 15a InsO)Geld­strafe oder Freiheits­strafe bis zu 3 Jahre

Ergänzend zu den strafrechtlichen Konsequenzen kann bei einem Insolvenzbetrug dem Schuldner auch die Restschuldbefreiung verwehrt werden. Konkret bedeutet dies, dass auch nach dem Durchlaufen des Insolvenzverfahrens alle Schulden beglichen werden müssen.

Auch für die Beihilfe zum Insolvenzbetrug sieht der Gesetzgeber Sanktionen vor. Gemäß § 27 Abs. 1 StGB heißt es dazu:

Als Gehilfe wird bestraft, wer vorsätzlich einem anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat Hilfe geleistet hat.

Welche Strafe für Gehilfen bei einem Insolvenzbetrug droht, hängt grundsätzlich von der Strafandrohung für den Täter ab. So sind bei einer zeitigen Freiheitsstrafe höchstens drei Viertel des angedrohten Höchstmaßes vorgesehen. Bei einer maximalen Freiheitsstrafe von zehn Jahren muss der Gehilfe demnach mit einer Freiheitsstrafe von bis zu siebeneinhalb Jahren rechnen.

Wann verjährt ein Insolvenzbetrug?

Bei Insolvenzbetrug hängt die Verjährung vom Tatbestand und dem dafür vorgesehenen Höchststrafmaß ab. So tritt gemäß § 78 StGB die Verjährung bei Taten, für denen der Gesetzgeber bei einer Freiheitsstrafe ein Höchstmaß von fünf bis zehn Jahren vorsieht, nach zehn Jahren ein. Drohen maximal zwischen einem und fünf Jahren Haft, liegt die strafrechtliche Verjährungsfrist üblicherweise bei fünf Jahren. Wollen Geschädigte eines Insolvenzbetrugs zivilrechtliche Schadensersatzansprüche geltend machen, ist dies in der Regel drei Jahre lang möglich.

Über den Autor

Sascha Münch (Rechtsanwalt)
Sascha Münch

Nach dem Studium an der Universität Bremen absolvierte Sascha Münch sein Referendariat am OLG Celle. 2013 erhielt er die Zulassung zum Rechtsanwalt und 2019 wurde er zum Notar bestellt (seit 2021 Notar a. D.). Auf schuldenanalyse-kostenlos.de befasst er sich u. a. mit den Bereichen Pfändung und Privatnsolvenz.

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